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01.03.2017 08:00

7 x nachgefragt

Interview mit Reinhard H. aus dem Tenor

7 x nachgefragt

Als neuen Interviewpartner konnten wir diesmal Reinhard H. aus dem Tenor gewinnen. Anhand eines persönlichen Interviews möchten wir den Choralltag für unsere Leser etwas erfahrbarer zu machen.

Danke Reinhard, dass Du uns sieben verschiedene Einblicke gewährst und uns Deine ganz persönliche Sichtweise zum Thema Heart Chor sowie zum Singen allgemein mitteilst. Beginnen wir gleich mit der ersten Frage:

1) Du gehörst schon nicht mehr zu unseren aktuellsten Neuzugängen. Wie bist du eigentlich zum Heart Chor gekommen, was hast Du bei uns damals vorgefunden und wie hast Du Dich mittlerweile im Heart Chor eingelebt?

Ich bin ganz erstaunt, dass ich schon seit fast 4 Jahren dabei bin – aber der überquellende Ordner mit Noten beweist es!

Und es war eine Verkettung von Zufällen: Ich musste meine Klasse in einen Schulgottesdienst begleiten und sang einfach die Kirchenlieder mit. Eine Kollegin sagte spontan: „Hey, du kannst ja singen, komm doch in den Lehrerchor!“. Das tat ich dann auch und von dort hat mich dann eine weitere Kollegin, Irmi Stadler, zum Heart Chor mitgeschleppt.

Natürlich war es anfangs nicht ganz einfach. Aber der Chor hat es mir leicht gemacht, reinzukommen und drin zu bleiben. Die Sonntagabend-Probe als fixer Termin, Auftritte und Chorwochenenden kann ich mir inzwischen gar nicht mehr wegdenken.

2) Du unterrichtest ja selbst an einer Schule und hast viele Schüler vor Dir. Wie fühlt man sich als Lehrer in unserem ganz speziellen Frontalunterricht?

Die ChorsängerInnen sind ja keine motivierungsbedürftigen Teenager, die mit didaktischen Methoden an das Singen herangeführt werden müssen, da ist frontal schon ok. Aber ich finde, dass unser Chorleiter durchaus so manchen didaktisch-methodischen Trick drauf hat – ich bin immer wieder erstaunt, wie er es schafft, dass wir irgendwann dann doch die Töne treffen, und dahinter steckt durchaus Methodik und didaktisches Geschick. Außerdem gibt es mit den Übungsmöglichkeiten daheim für die Sänger zusätzlich die Gelegenheit zur intensiven „Einzelarbeit“ – also nix frontal!

3) Der Heart Chor hat mit Markus Dankesreiter einen sehr engagierten Chorleiter, der unsere Konzerte auch mit eigenen Arrangements bedient. Wie wichtig ist für Dich eine funktionierende Einheit zwischen Chorleiter und Chormitgliedern?

Nur wenn’s zwischen Chorleitern und SängerInnen passt, dann kommt auch was dabei raus. Und Markus schafft es immer wieder, mich (und bestimmt auch alle anderen) für Stücke zu begeistern, denen ich anfangs sehr skeptisch gegenüberstand. Z.B. „Unicornis Captivatur“ hatte ich anfangs gehasst, dann fand ich’s interessant und am Ende, als wir es gekonnt haben, habe ich es geliebt – das geht nur, wenn der Chorleiter von dem Stück überzeugt ist und die Chormitglieder dem Leiter entsprechend vertrauen.

4) Es kommt am Sonntagabend ein Dir wichtiges Fußballspiel und die Chorprobe steht an. Sei ehrlich, was tust Du?

Also bei der EM im Juni war’s ja mal knapp, da hab ich beim Achtelfinale schon schwer mit mir gerungen, aber dann hatte Markus ein Einsehen und verlegte den Anfang der Chorprobe auf 20:15 Uhr. Glück gehabt, er hat mir eine schwere Entscheidung abgenommen. Ich versuche schon, möglichst regelmäßig zu den Proben kommen, aber bei einem EM- oder WM-Finale würde ich dann doch das Fußballspiel vorziehen.

5) Wenn man zu einem Chor kommt und dort bleibt, sagt das viel über den Chor und seine Ausstrahlung aus? Was macht den Heart Chor für Dich zu etwas ganz Besonderem?

Ich mag die bunte Mischung aus ganz verschiedenen Menschen, Typen, Charakteren und Altersgruppen. Es ist immer interessant festzustellen, wie unterschiedlich die Herkunft der einzelnen SängerInnen ist, aber dass sich doch alle auf den „gemeinsamen Nenner“ Singen verständigen können.

6) Wir sind ja bei unserem Repertoire nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Wie findest Du unsere Mischung aus Pop-Songs, geistlichen Liedern und Jazz-Arrangements?

Viele meiner Heart Chor Lieblingslieder sind eher im Pop-Bereich angesiedelt. Aber ich lass mich, wenn auch anfangs oft widerstrebend (siehe oben: Unicornis Captivatur!), gerne auch auf andere Genres ein, und erlebe dann, dass ich dann doch was anfangen kann damit und empfinde deswegen viele Lieder, die ich ohne den Heart Chor so gar nicht kennengelernt hätte, als eine Bereicherung. Nur bei Weihnachtsliedern muss ich passen, die kommen mir schwer über die Lippen!

7) Wir haben unsere Chorprobe terminlich am Sonntagabend platziert. Da müsste alles fertig korrigiert sein. Wie gehst Du tags darauf in die Schule? Kannst Du ein paar Schwingungen mit in die Woche nehmen?

Der Sonntag ist tatsächlich ein wichtiger Arbeitstag für mich als Lehrer, weil man eben zumindest für Montag alles vorstrukturiert haben muss und da geht’s dann oft fließend vom Schreibtisch in die Chorprobe über. Da ist der Sonntagabendtermin eigentlich recht schön als Wochenabschluss – die Schwingungen nehm’ ich weniger mit in die Schule, sondern sie begleiten mich oft die ganze Woche, privat und beruflich.

Reinhard, ich bedanke mich sehr für Deine Antworten und wünsche Dir weiterhin viel Spaß bei uns und beim Singen allgemein.