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Sing Sing – Freiheit als Prozess

Am 06. und 19. Mai sang und spielte der Heart Chor Regensburg das Konzeptkonzert Sing Sing im neuen Marinaforum in Regensburg. Der Chor leistete sich diese Location, um das Publikum mit in ein fiktives Gefängnis zu nehmen, und sich mit verschiedenen Facetten der Gefangenschaft und Wegen zur Freiheit auseinander zu setzen. Ein Thema, das die Menschen in den gut gefüllten Zuschauerreihen sichtlich berührte.

So wurde es sehr still im Saal, als Solistin Karin Hirmer in „I see a darkness“ von den dunklen Gedanken erzählte, die sie in ihrem Kopf gefangen halten. Umso erleichterter war das Publikum und konnte herzlich mitlachen, als das Männerensemble mit Jens Falck als Solisten ihr später empfahl, hin und wieder auch „Ein kleines bisschen Hass“ und Niedertracht zuzulassen. In „Das zweite Gesicht“ sang der Chor verstärkt durch eine Cajongruppe von dem Bösen, das in jedem Menschen schlummert. Die unheimliche Stimmung war bis in die letzte Zuschauerreihe zu spüren. Das Gastensemble Stimmtso rief in „Hanging Tree“ dazu auf, Widerstand zu leisten, so dass die Sänger*innen sich später im Konzert schließlich ganz dem Willen des Chorleiters verweigerten und selbstbestimmt ein wunderbares „Die Gedanken sind frei“ im 5/4 Takt anstimmten. Tänzerin Laura Meißauer gestaltete das eigens für den Heart Chor geschriebene Arrangement (Heart Chor Original) zu „Everybody wants to rule the world“, das sehr eindringlich von äußeren Zwängen und gesellschaftlichen Normen berichtet.

Nachdem den Gefangenen am Ende des ersten Teils die Flucht bereits gelungen war, verblieb der Gefängniswärter, überzeugend gespielt von Schauspieler Robert Herrmanns, als Einziger in Sing Sing. Mit Hilfe der Heart Chor Sänger*innen, bei denen im zweiten Teil ein Gefühl des Aufbruchs und der Freiheit durch Solidarität, Willenskraft und Selbstbestimmung vorherrschte und Texten zur Freiheit gelang am Ende zuletzt auch dem sympathischen Wärter ein großer Schritt der Befreiung. Die Frauen sangen in diesem Teil des Konzerts das mehrsprachige Heart Chor Original „Prayer of the mothers“. Es war eine moderne Vertonung zu dem Gedicht „Invictus“ von Wiliam Ernest Henley genauso zu hören wie „Bird set free“ von Sia, mit dem das Heart Chor Ensemble sich selbst und das Publikum begeisterte. Den Höhepunkt des Konzerts bildete das komplexe, bandbegleitete Stück „A Piece of Sky“ mit den drei Solistinnen Herta Riedl, Kathrin Graf und Jana Vezniková. 

Nach diesem Stück waren die Zuhörer*innen endgültig überzeugt vom Mut zur Freiheit und sangen die Zugabe „Va, pensiero“ inbrünstig gemeinsam mit dem Chor.

Die Band wurde auch in diesem Jahr wieder von Mauro Ciccarelli zusammengestellt. Inzwischen können wir auf eine jahrelange und sehr schöne Zusammenarbeit zurück blicken. Wir freuen uns sehr über die Mitwirkung der regionalen Arrangeur*innen Steffi Polster, Patrick Ehrich, Claudia Zormeier und Markus Dankesreiter, die uns jedes Jahr viele wunderschöne Heart Chor Originale schreiben. Ihre Arbeit macht es erst möglich, Konzepte wie das zu „Sing Sing“ musikalisch überzeugend und authentisch umzusetzen.

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an unsere 1. Vorsitzende und Projektleitung Karin Hirmer sowie unseren Chorleiter Markus Dankesreiter. Letztlich ist es ihr unermüdliches Engagement, das es allen anderen Sänger*innen im Heart Chor ermöglicht, sich selbst engagiert mit Ideen einzubringen, Aufgaben zu übernehmen, im Konzert mutig zu sein und die eigene Stimme zu finden sowie die Freiheit und Gemeinschaft im Singen zu genießen.