Sie befinden sich hier

19.09.2019 21:34

Interview mit unserem Chorleiter Markus Dankesreiter

Lieber Markus, seit wann leitest du den Heart Chor und wie kamst du dazu?

2003 kam ich als Tenor in den Chor. Damals war Stefanie Martin unsere Chorleiterin. Sie ging jedoch ein Jahr später aus beruflichen Gründen nach München und so wurde ein neuer Leiter gesucht. Da fiel die Wahl auf mich, da ich zu diesem Zeitpunkt schon Erfahrung in Chorleitung hatte.

Bist du auch hauptberuflich Musiker und noch dazu echter Regensburger?

Nein, gebürtig komme ich aus Schöllnach, einer niederbayerischen Marktgemeinde im Landkreis Deggendorf, Richtung Bayerischer Wald. Ich wohne aber schon wirklich lange in Regensburg, ich habe hier auch studiert.

Eigentlich bin ich Physiker. Rainer aus dem Tenor studierte mit mir Physik und gemeinsam machten wir uns nach dem Diplom selbstständig: Wir gründeten eine IT-Firma. Aber mein Naturell passte irgendwann nicht mehr in diese digitalisierte Welt. Ich gab lieber Stimm-Coaching, eine Art von Gesangsunterricht. Erstaunlicherweise kamen hauptsächlich traumatisierte Menschen zu mir. Die Stimm- und Körperarbeit löste psychologisch einiges in ihnen aus und ich konnte dadurch vielen helfen. Diese quasi-therapeutische Arbeit wiederum inspirierte eine Mitsängerin aus dem Heart Chor, mir anzubieten, in ihrer homöopathischen Praxis mitzuarbeiten. Und das wiederum bestärkte mich, die Ausbildung zum Heilpraktiker und eine Homöopathie-Ausbildung zu absolvieren. Heute arbeite ich in meiner eigenen Praxis für Klassische Homöopathie.

Woher dann all deine musikalischen Fähigkeiten?

Die Musikalität habe ich wohl von meinen Eltern geerbt. Gesungen habe ich schon immer sehr gerne. Mit acht Jahren lernte ich Klavierspielen, war dann auf dem musischen Gymnasium der Benediktiner in Niederaltaich. Dort lernte ich früh Chorgesang und dann auch das Dirigieren. In meiner Studienzeit übernahm ich zum ersten Mal offiziell die Leitung eines Chores, gelegentlich vertrat ich einen befreundeten Chorleiter. Und als Tenor-Sänger war ich einfach bei vielen Ensembles und Chören dabei – vor dem Heart Chor übrigens beim Vokalensemble Cantabile Regensburg. Diese Erfahrung kommt mir sehr zugute. Erfahrung allein reicht aber nicht. Für die Arbeit mit dem Heart Chor, der ja in sehr vielen Stilrichtungen zuhause ist, braucht es viel Fleiß. Ich bereite die Proben gut vor: Ich schau mir auf YouTube die Original-Videos an und studiere die Noten, singe die einzelnen Stimmen durch und spiele sie am Klavier. Für Probenwochenenden baue ich Probenkonzepte zusammen. Mittlerweile traue ich mich aber auch zu improvisieren, wenn mein Konzept nicht funktioniert.

Was reizt dich am Heart Chor?

Die Menschen, ganz einfach gesagt. Die sind einfach toll. Und ich darf ihr Leiter sein, das erfüllt mich schon mit Stolz und rührt mich. Die Leute sind bei so vielen meiner „verrückten“ Vorschläge und „Neumaßnahmen“ mitgegangen, haben mich einfach mal machen lassen und waren offen für das, was kommt. Ja gut, es wird schon auch viel diskutiert, aber am Ende machen alle mit (lacht). Aber es ist einfach toll, diese Leistungskurve zu sehen. Dieser Klang, der Groove, die Stimmung – alles wird von Mal zu Mal noch besser!

Und jetzt durfte der Chor sein eigenes Programm diskutieren?

Ja, auch das zeichnet den Heart Chor aus: Hier gibt es viele basisdemokratische Elemente. Die Liedauswahl wird nicht stur von oben vorgegeben, sondern die Sänger und Sängerinnen haben Einfluss darauf, was gesungen wird. Für dieses Jahr wurden die Songs fast komplett von den Chormitgliedern selbst in einer anonymen Abstimmung innerhalb der jeweiligen Stimmgruppen ausgewählt. Das war eigentlich eine Win-Win-Situation. Denn Karin, unsere erste Vorsitzende, und ich wollten uns nach den großen Sing Sing-Konzerten letztes Jahr in der diesjährigen Konzertorganisation eh etwas zurücknehmen.

Welche Lieder gewannen eigentlich die Abstimmung und von wem wurden sie vorgeschlagen?

Eva aus dem Sopran 1 steuerte „Nara“ des britischen Alternative-Trios Alt-J bei. Pia aus dem Sopran 2 lieferte mit dem Vorschlag „Raindrops“ eine coole Chor-Version des Originals der dänischen Sängerin Hannah Schneider. Christine aus dem Alt 1 überzeugte mit ihrem Vorschlag „Words“ der schwedischen A Cappella-Gruppe „The Real Group“. Und Elli aus dem Alt 2 konnte sich mit „Viva la vida“ von Coldplay durchsetzen. Markus aus dem Tenor 1 hatte die tolle Idee, den „Erlkönig“ zu präsentieren – zusammen mit „Nara“ für mich die interessanteste Songauswahl. Uli vom Tenor 2 riss die Kollegen mit „Don’t stop me now“ von Queen mit. Sebastian vom Bass 1 überzeugte mit dem Klassiker „She's always a woman“ von Billy Joel seine Mitsänger. Und Jens vom Bass 2 machte mit dem Männerensemble „Domino“ seinen Stich.

Hast du zu dieser Liedauswahl Bedenken oder freust du dich einfach auf abgeSTIMMT?

Anfangs dachte ich, vermutlich von meinem Vetorecht Gebrauch machen zu müssen – z.B., wenn das Lied für Chorgesang nicht passt. Aber das war nicht der Fall. Das Konzept abgeSTIMMT hat sich bewährt und wahre Schätze ans Licht gebracht. Einerseits hinsichtlich der Liedauswahl und andererseits tatsächlich hinsichtlich demokratischen Handelns: Die eine Seite gibt Kontrolle ab, die andere Seite nimmt Verantwortung an. Für beide Seiten lohnt sich das absolut. Und ich sehe hier auch so viel Qualität und musikalische Kompetenz – tolle Menschen einfach.

Ich freue mich vor allem auf die Lieder „Erlkönig“ und „Raindrops“, weil die einfach richtig viel Power haben. Bedenken habe ich lediglich wegen des Lieds, das ich als Höhepunkt des abgeSTIMMT-Programmes selbst arrangiere: „Rise like a phoenix.“ Das wird richtig pompös und anspruchsvoll. Bei meinen eigenen Arrangements bin ich halt immer ein bisschen nervös. Ich bin mal gespannt …

[Anm. d. Red.: Markus selbst arrangierte Lieder sind die am besten gemachten überhaupt. Aus seiner Unsicherheit spricht lediglich seine Perfektion :-) ]