Sie befinden sich hier

10.10.2019 18:07

Making of… abgeSTIMMT: DIE GEWINNER*INNEN

Drip – Drop – Drip – Drop: Das Gewinnerlied des Sopran 2 passt gut zur nasskalten Jahreszeit. Man hört die Regentropfen in „Raindrops“ richtig durch die lautmalerischen Phrasen fallen. Aber von wegen trübe Stimmung: Die dänische Schöpferin des Originalsongs Hannah Schneider erzählt zwar von einem Schockmoment, das ihr Leben aus den Fugen hebt und sie in ein tiefes schwarzes Loch stürzen lässt. Aber das Original klingt so leicht und verspielt, dass man meint, die Sängerin trällert über die Tropfen aus dem Duschkopf. Und die Chorversion legt noch eine Schippe drauf: Das Arrangement der Dänin Anna Østergaard ist so rhythmisch, kraftvoll und entschlossen, dass die Tragik des Textes fast verschwindet und stattdessen nur noch die Power, der Optimismus und die Unerschütterlichkeit im Vordergrund stehen. Der Chor will damit sagen: Vor seinen Gefühlen davonlaufen und resignieren war gestern. Jetzt heißt es: Schicksal in die eigene Hand nehmen und sich fröhlich zurück ins Leben tanzen!

 

Auf diese Power hat Chorleiter Markus Dankesreiter richtig Lust. Deswegen probt er mit dem Heart Chor unermüdlich – jeder Ton, jeder Ausdruck, jeder Takt muss stimmen. Bei einem 8-stimmigen Chorarrangement nicht ganz so einfach. Umso beeindruckender ist die Wirkung, wenn alles sitzt. Jetzt nach dem Chorwochenende im Kloster Strahlfeld sind wir diesem Ziel schon recht nahe. Im Interview sprechen wir mit Pia, unserer Sopran-Stimmsprecherin und Cellistin. Sie hatte das Lied vorgeschlagen.

 

Liebe Pia, wie hast du „Raindrops“ entdeckt?

Ich tue mich ja eigentlich schwer, gezielt nach Liedern zu suchen. Jahre später singe ich zwar nach wie vor die Texte und Melodien, aber den Titel und den Interpreten habe ich dann leider oft schon wieder vergessen. Deswegen war ich so froh, dass ich „Raindrops“ ganz zufällig entdeckt habe:

Mein Schwager ist ein begeisterter Chorsänger und hört sich auch gerne Konzerte anderer Chöre an. So war er einmal bei einem Auftritt des preisgekrönten Bonner Jazzchores, den er so toll fand, dass er sich vom Chor ein paar CD-Aufnahmen kaufte. Eine davon schenkte er mir – die hör ich mir seitdem regelmäßig in der Küche an. Das erste Lied davon ist „Raindrops“. Und als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich nur: „Ja, das ist es!“

 

Wie lief denn im Sopran 2 die Abstimmung?

Von zehn Sängerinnen hatten zwar nur vier ein Lied eingereicht. Aber es war trotzdem eine schöne Auswahl. Die Vorschläge wurden zuerst an mich als Stimmsprecherin geschickt. Jedoch hat sich Sandra aus dem Sopran 1 dann dankenswerterweise um das Abstimmungsverfahren gekümmert, da ich mich edv-technisch leider zu wenig auskenne. Ich habe ihr dafür versprochen, sie zu einer Veranstaltung der Regensburger Tanztage einzuladen, die demnächst im November wieder stattfinden (lacht). Die Abstimmung verlief ähnlich wie im Sopran 1. Jeder durfte eine gewisse Anzahl an Punkten anonym vergeben. Übrigens: „She’s always a woman“, das im Bass 1 gewonnen hatte, wurde bei uns Zweiter.

 

Freust du dich schon auf die abgeSTIMMT-Konzerte?

Auf jeden Fall. Ich freue mich auf alles, was mit dem Heart Chor zu tun hat! Das Singen im Chor ist für mich wie eine Achtsamkeitsübung. Ich kann dann alles vergessen, was mir sonst täglich durch den Kopf schwirrt. Als Grundschullehrerin muss ich ja nach wie vor viel vor- und nachbereiten und vor allem die Schulanfänge und Übertritte haben es immer in sich. Zwischenzeitlich hatte ich da immer weniger Zeit für die Proben und darunter hatte ich echt gelitten. Nun lasse ich nicht mehr zu, dass ich auf etwas verzichte, was mir gut tut. Und da gehört der Heart Chor dazu. Auch wegen der tollen Menschen. Ich habe hier nach meinem Umzug von NRW nach Bayern vor sechs Jahren schnell Anschluss gefunden. Und Markus ist schließlich ein großartiger Chorleiter. Er schafft eine konzentrierte und gleichzeitig angenehme Atmosphäre. Da sind dann unsere Probensonntage mit anschließender Einkehr im Lokanta, unserem kurdischen Stammlokal um die Ecke, sowie unsere Abschlusskonzerte wie ein Kurzurlaub inmitten des Alltags – vor allem wenn Anspruch und Spaß dabei Hand in Hand gehen.

 

Und die Rolle der Stimmsprecherin ist dir nicht zu stressig?

Je zuverlässiger meine Mitsängerinnen sind, desto weniger habe ich letztlich zu tun (lacht). Und es ist ja auch spannend, durch Teilnahme an den Präsidiumssitzungen die Arbeit abseits der Chorproben mitzubekommen. Das ist schon beeindruckend, wie sich die Mitglieder des Präsidiums da reinhängen – vor allem die Monate vor den Konzerten. Denn da muss ja gleichzeitig auch das nächste Projekt schon wieder in Planung gehen.

 

Wie kamst du eigentlich zu diesem Amt?

Ich „qualifizierte“ mich vermutlich durch mein jahrelanges Engagement für den Chor. Das fing schon an, als ich noch in Münster wohnte (lacht). Als mein Mann vor sechs Jahren einen neuen Job in Bayern bekam und die Familie beschloss, mit nach Regensburg zu ziehen, sang ich zu dem Zeitpunkt bereits 14 Jahre im politisch motivierten Chorensemble „Die Untertanen“, das ich über alles liebte und nur verlassen würde, wenn ich schnellstens einen neuen Chor fände. Daher ging ich noch vor dem Umzug online auf die Suche und mir war schnell klar: Es kann nur der Heart Chor werden. Diese szenischen Aufführungen, diese Mischung der Stile – das war einzigartig. Dank meines Cellos konnte ich die Warteliste für Sopräne überspringen. Helga, neben der ich in der Schnupperprobe glücklicherweise saß, hatte sich wohl auch für mich eingesetzt – danke Helga! So fand ich in Regensburg schnell eine neue musikalische Heimat. Das Amt der Stimmsprecherin wird bei uns im Sopran übrigens auf Empfehlung der aktuellen Stimmsprecherin und mit Einverständnis der Sängerinnen weitergereicht. Dass ich vor drei Jahren gefragt wurde, hat mich total gefreut. Eine schöne Bestätigung, im Heart Chor angekommen zu sein!

 

Danke für das Interview, liebe Pia!