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02.10.2019 18:07

Making of… abgeSTIMMT: DIE GEWINNER*INNEN

„Eines der interessantesten Stücke in der diesjährigen Songauswahl“, findet unser Chorleiter Markus Dankesreiter – und fasst damit die Bewertungen der Mitsänger*innen für das Gewinnerlied des Sopran 1 gut zusammen: „Atmosphärisch“, anfangs „komplett befremdlich“, später „überraschend eingängig“, auf jeden Fall „außergewöhnlich“.

Das Arrangement des Liedes Nara der britischen Alternative-Band Alt-J ähnelt einem exotischen Gericht, das man unbedingt probieren möchte, weil es so anders ist. Gleichzeitig fremdelt man mit dem ungewohnten Geschmack. Am Ende aber sind die „Gewürze“ so bestechend und das Gefühl, dass da im Bauch entsteht, so wärmend, dass man sich Hals über Kopf in der Komposition verliert.

Diese Exotik passt auch zum Titel: Er verweist auf die japanische Großstadt Nara, in der Mensch und Hirsch friedlich zusammenleben. Die zarten Tiere werden nicht gejagt, sondern dürfen frei durch die Stadt laufen. Im japanischen Shinto-Glauben werden sie nämlich als Götterboten verehrt. Genauso frei, akzeptiert und ebenbürtig sollen alle Menschen an allen Orten der Welt leben dürfen – auch wenn sie das gleiche Geschlecht lieben.

Das Lied vorgeschlagen und ihre Mitsängerinnen damit ausnahmslos überzeugt hatte Eva S. – unsere Fotografin und Social-Media-Expertin. Im Interview verrät sie uns ihre Hintergründe.


Liebe Eva, warum hast du gerade dieses Lied vorgeschlagen?

Ich bin ein absoluter Fan von Alt-J (lacht). Von der Band habe ich alle CDs und in München habe ich sie einmal live auf einem Konzert erlebt. Die drei Jungs machen einfach tolle Arbeit.
Gleichzeitig ist es mir wichtig, mit unserer Songauswahl auch junges Publikum anzusprechen, was am besten mit anspruchsvollen, modernen Stücken gelingt.
Und schließlich wäre unsere Version dieses Liedes – sobald wir den Auftritt gefilmt und online gestellt haben – das erste Video dazu auf YouTube! Das würde unseren Bekanntheitsgrad über die Regensburger Stadtmauern hinaus erhöhen!


Und wo hast du die Chorpartitur gefunden?

Da gibt es das öffentlich zugängliche und gleichzeitig kostenlose Online-Portal www.musecore.org, das Komponisten und Arrangeuren die Möglichkeit bietet, eigene Kreationen und Arrangements hochzuladen, sich international zu vernetzen und sich somit unabhängig von Verlag oder Musiklabel einen Namen zu machen.
Gefunden habe ich dort die damals noch ganz frische Version von Jochem Postmes, einem jungen Arrangeur für Chormusik.


Wie verlief das Abstimmungsverfahren?

Weil der Chor einmal selbst erleben sollte, wie aufwändig die Songauswahl für die jährlichen Chorkonzerte ist, durfte dieses Mal wirklich jeder Sänger und jede Sängerin einen Liedvorschlag abgeben. Jede Person hat dann innerhalb seiner Stimmgruppe anonym eine bestimmte Anzahl an Punkten vergeben. Die Gewinnerlieder wurden dann in einer unserer Sonntagsproben verkündet.

Jedoch sind auch die zweitplatzierten Stücke so großartig, dass sich damit bereits die übernächsten Konzerte planen ließen. Das Konzept von abgeSTIMMT hat sich damit mehr als bewährt. Und das Vertrauen in die Fähigkeiten – sowohl in die eigenen, als auch in die des Chores – hat stark zugenommen.

 

Was wünscht du dir für die abgeSTIMMT-Konzerte?

Auf jeden Fall viel Kontakt!

Zum einen will ich viel Kontakt zum Publikum: Einerseits durch eine räumlich nahe Aufstellung, damit ich die Leute und ihre Reaktionen besser sehen kann. Und zum anderen durch einen emotionalen und mitreißenden Auftritt des Chores, mit dem wir die Leute bewegen und durch unterschiedliche Gefühlslagen schicken. Ich will sie lachend und weinend sehen, klatschend und tanzend, glücklich und traurig. Wenn uns das gelänge, wären für mich die Konzerte ein voller Erfolg!

Viel Kontakt aber auch zu Chor und Chorleiter: Wir sangen früher eher klassische Chorlieder und hatten einen klassischen Chorklang. In den letzten Jahren haben wir unser Repertoire um Pop-Stücke ergänzt und dabei eine ganz andere Art zu singen entdeckt. Auch der Anspruch an Rhythmus und Betonung ist bei Pop-Liedern höher, so dass ich mich viel intensiver mit den Noten beschäftigen musste, um das alles auch umsetzen zu können. Das führte aber dazu, dass ich mich zunehmend auf mich selbst konzentrierte und mich vom Chor gesanglich isolierte. Da litt irgendwann die Freude am gemeinsamen Singen. Deswegen möchte ich mich wieder von den Noten lösen und bei unseren Konzerten auswendig singen. So bekomme ich das Dirigat von Markus unmittelbar mit und kann es genauer umsetzen. Auch nehme ich dadurch meine Mitsänger*innen wieder mehr wahr. Und das verbessert schließlich den Gesamtklang.

 

Und welche Befürchtungen hast du?

Dass jemand vor Aufregung einen Herzinfarkt bekommt oder Markus vom Podest fällt (lacht). Im Ernst: Wir sind so krisenerprobt – wir wuppen alles! Auch weil uns Chorleiter Markus mit seiner Ausstrahlung wieder alle mitreißen wird. Und auch der frische Wind durch unsere neuen Mitsänger*innen ist gut angekommen. Da machen die Proben gleich noch mehr Spaß und die Vorfreude auf die Konzerte steigt.

 

Danke für das Interview, liebe Eva!