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19.10.2019 18:07

Making of… abgeSTIMMT: DIE GEWINNER*INNEN

Eines der bekanntesten Gedichte. Von einem der bekanntesten Dichter. Vertont von einem der bekanntesten Komponisten. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind – es ist der Vater mit seinem Kind.“ Wer kennt den Sturm-und-Drang-Klassiker von Johann Wolfgang von Goethe nicht? Oder das düstere Kunstlied von Franz Schubert? Jedes Schulkind kennt den schrecklichen „Erlkönig“, der dem Vater während eines Todesrittes sein krankes Kind entreißt. Der bekannte Arrangeur Oliver Gies machte daraus ein interessantes A-Cappella-Stück, welches das Pferd weiter traben, das Kind hilflos schreien und den Erlkönig eiskalt zuschlagen lässt.

Markus D. bewies mit diesem Vorschlag ein glückliches Händchen und gewann den Tenor 1 damit für sich. In unserem Interview verrät er mehr über seinen Liedfavoriten.


Lieber Markus, wie bist du auf diesen Klassiker gekommen?

Durch meinen klassischen Hintergrund tatsächlich. Ich habe nach meiner Schulzeit zehn Jahre lang in einem geistlichen Chor in meiner Heimat, der nördlichen Oberpfalz, gesungen, bevor ich 2007 schließlich den Weg zum Heart Chor einschlug. Das Niveau aber, das in diesem Klassikchor verlangt war, hat mich in meinem Anspruch schon geprägt. Deshalb wollte ich für meinen Vorschlag auch wirklich gute und herausfordernde Chormusik finden. Und so recherchierte ich auf YouTube gezielt nach bekannten Popchor-Arrangeuren wie Gies und Gerlitz und hörte mir auch klassische Chorarrangements an.

Und da begegnete mir der „Erlkönig“ wieder. Die Vertonung des Goethe-Gedichts durch Schubert kannte ich schon aus Kindertagen. Damals in den 90ern gab es die Fernsehshow „Schmidteinander“, in der Harald Schmidt und Herbert Feuerstein dieses Lied halbwegs ernsthaft mit einem Steckenpferd aufführten. Erst war ich mir nicht sicher, ob das Lied für uns nicht zu schwer oder gar zu klassisch sei. Als mein Vorschlag dann aber die Abstimmung gewann, war ich sehr erleichtert. Denn das zeigte mir, dass sich der Heart Chor für diese anspruchsvolle Mischung aus Pop und Klassik begeistern kann! Mittlerweile habe ich schon von einigen Mitsänger*innen gehört, dass ihnen dieses Lied richtig gut gefällt.


Und was gefällt DIR speziell an dem Lied?

Ich mag diese Schwere und die Todesthematik. Traurige und dramatische Musik empfinde ich einfach tiefgründiger und ansprechender als fröhliche Musik, welche ich musikalisch gesehen eher langweilig finde. Das war schon früher so. Als ich noch bei meinem Vorgänger-Chor mitsang, war das Passionskonzert am Karfreitag meist der Höhepunkt des Jahres für mich (lacht).

Aber auch die Kombination aus Klassik und Pop finde ich interessant: Einerseits sind in dem Chorarrangement ja noch viele komplexe Klänge des Originals vorhanden. Zum anderen wurden aber auch eigene Dynamiken und poppige Rhythmen eingebaut.

Und schließlich ist die Aufteilung der vier Erzählfiguren auf die vier Stimmgruppen richtig gut: Der Alt übernimmt die Rolle des Geschichtenerzählers, der stark und souverän wirken wollende Vater wird vom Bass verkörpert, der kranke ächzende Sohn wird vom Tenor gesungen und der süßlich und eindringlich singende Erlkönig vom Sopran gespielt. So kann sich jeder optimal in seine Rolle hineinversetzen und das Publikum bekommt ein richtiges Singspiel serviert.


Welche anderen Lieder standen im Tenor 1 noch zur Auswahl?

In unserer Stimmgruppe gab es insgesamt 6 Vorschläge. Zwei Stücke möchte ich erwähnen, die mich sehr angesprochen haben: Zum einen das poppig-fetzige Arrangement zu „Basket Case“ der Punkband Green Day. Lustigerweise wird es mit dem typischen Hochzeits-Opening, dem barocken Canon in D-Dur von Johann Pachelbel, eingeleitet und beendet. Wohl ein beabsichtigter, ironischer Widerspruch zum Text.

Außerdem wurde ein geistliches Chorstück vorgeschlagen, das in seiner extremen Ruhe einen Gegenpol zu den sonst für uns typischen Pop-Arrangements dargestellt hätte: “Hymn of the Cherubim” des Russen Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Da hatte ich aber die Befürchtung, dass uns die russische Schrift und Aussprache an unsere Grenzen bringen würden. Aber ich bin ja wie gesagt froh, dass es dann der „Erlkönig“ wurde!


Und wie zufrieden bist du mit der bisherigen Leistung des Heart Chores zu diesem Lied?

Anfangs hatte ich Zweifel, ob wir uns mit dem Stück nicht vielleicht doch zu viel zugemutet haben. Das Arrangement ist schon sehr anspruchsvoll. Ich will meine Mitsänger*innen auch nicht zu sehr quälen, aber ich leide tatsächlich darunter, wenn die Qualität nicht stimmt oder wenn Dinge wiederholt schieflaufen.

Aber zum Glück wurde früh, intensiv und wiederholt daran geprobt. Mittlerweile kennt der Chor dieses Lied so gut, dass wir nur noch aufpassen müssen, es nicht zu leichtsinnig oder zu gedankenlos herunterzuleiern. Wenn wir die Einsätze, die Dynamik, die Töne wirklich auf den Punkt bringen, dann bin ich sicher, dass das Publikum begeistert sein wird.


Und was wünscht du dir sonst noch für unsere Konzerte?

Dass wir in einen Flow reinkommen: Die Sänger und Sängerinnen für sich allein, der Heart Chor als Ganzes und dann natürlich das Publikum. Der ganze Raum soll verschmelzen! Aber damit das klappt, müssen wir zusehen, dass jedes einzelne Lied konzertreif wird. Da hat uns das Chorwochenende in Kloster Strahlfeld schon ein ordentliches Stück weitergebracht! Deswegen bitte ich die Leute, die dort nicht dabei sein konnten, diese Strecke bis zu den Konzerten noch aufzuholen. Das sind wir auch unserem Chorleiter Markus schuldig, der sich in jeder Probe und auch an diesem Chorwochenende richtig reingehängt hat.


Wir danken dir für das Interview, lieber Markus!